Büro für Faunistische Fachfragen Uwe-Jens Bartling
 

Was kann ich selbst tun?
Artenschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Schon ein Garten, ein Balkon oder ein geeigneter Platz am Gebäude kann Tieren Nahrung, Unterschlupf und Brutplätze bieten. Hier finden Sie Ideen zum Mitmachen und weiterführende Anleitungen.

Heimische Pflanzen auswählen
Heimische Wildstauden, Sträucher und Bäume bieten vielen Tieren Nahrung und Lebensraum. Wichtig ist eine Auswahl, die zum Standort passt und möglichst vom Frühjahr bis in den Herbst Blüten bietet. Auch Blätter, Früchte und Samen sind wertvoll – beispielsweise für Schmetterlingsraupen und Vögel.
Bei NaturaDB können Sie Pflanzen nach ihren Standortansprüchen und ihrem Nutzen für die Tierwelt auswählen.

Wildblumen statt ausschließlich Rasen
Schon ein kleiner Wildblumensaum oder ein seltener gemähter Gartenbereich kann das Nahrungsangebot für Insekten verbessern. Verwenden Sie möglichst mehrjähriges Saatgut heimischer Wildpflanzen und beachten Sie die Hinweise zur Bodenvorbereitung und Pflege.
Ein Beispiel für eine Wildblumenmischung für den Garten finden Sie bei utopi.

Obstbäume als Hochstämme pflanzen
Wo ausreichend Platz vorhanden ist, können hochstämmige Obstbäume den Garten langfristig bereichern. Ihre Blüten bieten Nahrung für Insekten; Früchte und die große Baumkrone kommen weiteren Tieren zugute. Alte Bäume können später besonders wertvolle Strukturen wie Höhlen und Spalten entwickeln.
Wählen Sie robuste, regional bewährte Obstsorten, die zu Boden und Standort passen. Planen Sie genügend Platz für die ausgewachsene Krone ein. Regelmäßige Pflege und fachgerechter Schnitt helfen, den Baum langfristig zu erhalten.

Einen Fledermauskasten bauen
Fledermauskästen können zusätzliche Quartiere schaffen. Für spaltenbewohnende Arten eignen sich beispielsweise Flachkästen aus unbehandeltem Holz. Raue Innenflächen geben den Tieren Halt.
Entscheidend sind die Bauweise und ein geeigneter Standort mit freiem Anflug. Vorhandene Quartiere an Gebäuden oder in Bäumen sollten unbedingt erhalten bleiben.
[Bauanleitung und Tipps zum Fledermauskasten – NABU]

Einen Schleiereulenkasten bauen
Geeignete Scheunen, Ställe oder Dachräume können Schleiereulen einen geschützten Brutplatz bieten. Ein Schleiereulenkasten benötigt einen dunklen Brutraum und einen dauerhaft zugänglichen Einflug.
Nicht jedes Gebäude ist geeignet. Bitte sprechen Sie uns vor dem Bau oder der Montage an: Gemeinsam können wir den Standort und die Möglichkeiten zur Anbringung besprechen.
[Bauplan für einen Schleiereulenkasten – PDF beim LBV]


Ein Igelhaus aus Ziegelsteinen bauen
Ein geschützter Unterschlupf lässt sich auch aus Ziegel- oder Pflastersteinen bauen. Wichtig sind ein trockener, ruhiger Standort, standsichere Wände und ein wetterfestes Dach. Ein verwinkelter Eingang bietet zusätzlichen Schutz.
Die Schlafkammer kann mit trockenem Stroh eingerichtet werden. Laub und Reisig rund um das Haus schaffen weitere Deckung. Ein bezogenes Haus sollte möglichst ungestört bleiben.
[Bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung für ein Igelhaus aus Ziegelsteinen – #zukunftleben]

Einen kleinen Teich anlegen
Auch ein kleiner Teich kann Lebensraum für Insekten und eine Wasserquelle für Vögel und andere Tiere bieten. Heimische Wasserpflanzen und unterschiedlich tiefe Bereiche machen ihn abwechslungsreich.
Besonders wichtig sind flache Ufer oder sichere Ausstiegshilfen, damit hineingefallene Tiere wieder herauskommen. Achten Sie bei der Standortwahl auch auf die Sicherheit von Kindern.
[Bebilderte Anleitung für einen Miniteich – NABU, PDF]


Hohle Bambus- oder Schilfröhrchen können einigen Wildbienenarten als Nistplatz dienen. Geeignet sind Röhrchen mit unterschiedlichen Innendurchmessern von etwa 3 bis 9 Millimetern. Sie sollten hinten geschlossen, innen glatt und an den Eingängen frei von Splittern sein.
Bringen Sie die Röhrchen waagerecht, fest und vor Regen geschützt an einem sonnigen Platz an. Die Nisthilfe bleibt auch im Winter draußen.

Viele Wildbienen nisten allerdings im Boden. Deshalb helfen auch sonnige, offene Bodenstellen oder ein geeignetes Sandbeet. Dazu gehört immer ein ausreichendes Angebot heimischer Blütenpflanzen.
[Wildbienen-Nisthilfen richtig bauen – Naturkundemuseum Stuttgart]


Igelpflegestelle oder Überwinterungsstelle werden
Sie möchten unsere Wildtierauffangstation unterstützen? Wir suchen Menschen, die nach Absprache einen Igel betreuen oder einen geeigneten Überwinterungsplatz bereitstellen können.
Welche Unterbringung und Betreuung erforderlich sind, hängt vom Zustand des Tieres ab. Wir besprechen mit Ihnen vorab die Voraussetzungen und die Versorgung. Die Betreuung erfolgt in Abstimmung mit unserer Station.
Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail und nennen Sie Ihren Wohnort sowie die Möglichkeiten, die Sie anbieten können:
[E-Mail an die Wildtierauffangstation: BFFBartling@aol.com]

Weitere kleine Schritte mit großer Wirkung
- Laub und Totholz belassen: Eine ruhige Ecke mit Laub, Ästen und Reisig bietet vielen Tieren Schutz.
-Gärten für Igel verbinden: Durchgänge in bodennahen Zäunen ermöglichen den Wechsel zwischen benachbarten Gärten.
-Weniger und abschnittsweise mähen: Lassen Sie blühende Bereiche und Rückzugsräume stehen.
-Pflanzenstängel über Winter erhalten: Vertrocknete Stängel und Samenstände bieten Unterschlupf und Nahrung.
-Nächtliche Beleuchtung reduzieren: Beleuchten Sie nur dort und so lange, wie es erforderlich ist.
-Glasscheiben vogelsicher gestalten: Besonders durchsichtige oder stark spiegelnde Flächen können zur Gefahr werden.
-Auf Pestizide verzichten: Fördern Sie einen abwechslungsreichen Garten mit natürlichen Rückzugsräumen.


Sie müssen nicht alles auf einmal umsetzen. Beginnen Sie mit einer Maßnahme, die zu Ihrem Garten und Ihren Möglichkeiten passt.